Fußfehlstellungen: Einlagen und Orthesen, die Füße führen, ohne sie einzusperren
Kinderfüße sind weich, beweglich und sehen in den ersten Lebensjahren oft "falsch" aus, ohne dass etwas falsch ist. Ein Knickfuß mit zwei Jahren ist normal, ein Knickfuß mit acht Jahren und Schmerzen nicht. Eine Versorgung ist sinnvoll, wenn die Abweichung stark ausgeprägt ist, wenn Gehstörungen oder Schmerzen auftreten oder wenn eine Grunderkrankung die Fußentwicklung beeinträchtigt. Dann gilt: So viel Führung wie nötig, so viel Freiheit wie möglich.
Fehlstellungen
Die häufigsten Fußfehlstellungen
Eine Fußfehlstellung ist eine deutliche Abweichung der Fußform von der altersgerechten Norm.
Knickfuß und Knick-Senk-Fuß. Die Ferse kippt nach außen, das Fußgewölbe flacht ab. Bei Kleinkindern meist physiologisch, behandlungsbedürftig bei starker Ausprägung, Beschwerden oder Hypotonie, etwa beim Down-Syndrom.
Plattfuß. Das Längsgewölbe ist vollständig abgesenkt; der Fuß liegt flach auf. Zu unterscheiden sind flexible und rigide Formen.
Sichelfuß. Der Vorfuß weicht nach innen ab. Häufig bei Neugeborenen, bildet sich meist zurück; bei fixierten Formen wird mit Schienen oder Gipsen behandelt.
Klumpfuß. Angeborene Fehlstellung, bei der die Fußsohle nach innen und oben zeigt. Die Behandlung beginnt in den ersten Lebenswochen mit Gipsredression (Ponseti-Methode), meist mit einer kleinen Sehnendurchtrennung; danach folgt eine Abduktionsschiene bis etwa zum vierten Lebensjahr, nach Vorgabe der Klinik.
Spitzfuß. Die Ferse steht hoch und wird beim Gehen nicht belastet. Häufig als Folge von Spastik bei Cerebralparese oder Muskelverkürzung, oder als idiopathischer Zehengang ohne erkennbare Ursache, der ärztlich abgeklärt werden sollte.
Hohlfuß. Übermäßig betontes Fußgewölbe, oft mit Krallenzehen, häufig bei neurologischen Erkrankungen wie HMSN.
Hackenfuß. Der Fuß steht in übermäßiger Hebung, die Ferse trägt die Last; typisch bei bestimmten Lähmungsniveaus der Spina bifida. Der angeborene Hackenfuß des Neugeborenen ist häufig und bildet sich meist von selbst zurück.
Versorgungskonzept
Das Versorgungskonzept
Alltagsversorgungen unterstützen dein Kind bei allen täglichen Aktivitäten: Einlagen und Fußorthesen, die im Schuh getragen werden und Gangbild und Körperhaltung verbessern. Die Nachtversorgung sichert eine gute Stellung im Schlaf, etwa Nachtlagerungsorthesen gegen Spitzfußentwicklung oder Abduktionsschienen nach Klumpfußbehandlung. Für mehr Bewegungsfreiheit und Belastbarkeit beim Sport gibt es Sportversorgungen aus leichten, dynamischen Materialien.
Welche Lösung passt, hängt von der Fehlstellung, dem Alter, einer eventuellen Grunderkrankung und den Zielen ab. Ein flexibler Knickfuß braucht etwas anderes als ein spastischer Spitzfuß. Dabei arbeiten wir eng mit Kinderorthopädie, SPZ und Physiotherapie zusammen.
Versorgungsverlauf
Der Versorgungsverlauf bei Fußfehlstellungen
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Beratungstermin und Untersuchung
Lass die Füße deines Kindes kinderärztlich ansehen; mit der Verordnung beraten wir dich ausführlich. Wir betrachten Füße, Beinachsen und Gangbild, barfuß und im Schuh, und besprechen mit dir die Ziele.
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Rezept und Genehmigung
Das Rezept stellt die Kinderärztin oder die Kinderorthopädie aus. Wir unterstützen dich bei allen Formalitäten mit der Krankenkasse.
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Maßabnahme
Einlagen und Orthesen werden immer individuell angepasst. Nach Terminvereinbarung nehmen wir die notwendigen Maße per 3D-Scan oder Trittschaum, für Orthesen bei Bedarf per Gipsabdruck.
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Anprobe
Beim Anprobetermin kontrollieren und optimieren wir den Sitz des Hilfsmittels, auch die Passform im Schuh. Wir beraten zur Schuhwahl, denn die beste Einlage nützt im falschen Schuh wenig.
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Training und Eingewöhnung
Wir erklären Tragezeiten und Eingewöhnung. Gern begleiten wir euch zur Physiotherapie, damit Übungen und Versorgung zusammenpassen.
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Kontrolle
Kinderfüße wachsen schnell, deshalb sind Kontrollen in der Regel alle sechs Monate sinnvoll. Bei Fragen kannst du dich jederzeit bei uns melden.
Hilfsmittel
Mögliche Hilfsmittel bei Fußfehlstellungen
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Einlagen
Mehr erfahrenEinlagen können den Fuß führen und Beschwerden lindern; beim schmerzfreien flexiblen Knick-Senkfuß sind sie meist nicht nötig. Je nach Befund und Versorgungsziel wählen wir die passende Fußbettung: Stützend, sensomotorisch oder korrigierend, aus Kork, Kunststoff oder im 3D-Druck.
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DAFO: Dynamische Fußorthese
Mehr erfahrenEine dünne, flexible Orthese in Schalenform mit umgreifender Mittelfußführung, die den Fuß stabilisiert und Bewegung zulässt. Aus thermoplastischem Kunststoff, individuell gefertigt und gestaltet.
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DFO und SMO
Mehr erfahrenFuß- und Sprunggelenkorthesen mit umgreifender Mittelfußführung für eine leichte, umfassende Versorgung und eine saubere Schrittabwicklung, zum Beispiel bei Knick-Senk-Fuß mit Hypotonie.
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MT1S
Mehr erfahrenEine leichte Versorgung aus thermoplastischem Kunststoff zur Aufrichtung der Beinlängsachse. Sie soll zusätzlich die Supinationskomponente ausgleichen und sorgt durch einen flexiblen Vorfuß für eine gute Schrittabwicklung.
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3D-gedruckte Nachtorthese
Mehr erfahrenSie hält den Fuß über Nacht in aufgerichteter Stellung. Die Vorteile des 3D-Drucks: Eine individuelle Form durch CAD-Konstruktion und gute Luftzirkulation durch Perforation.
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Klumpfuß-Abduktionsschienen und Orthesenschuhe
Mehr erfahrenNach der Gipsbehandlung sichern Abduktionsschienen das Ergebnis über Jahre. Orthesenschuhe und Schuhzurichtungen ergänzen die Versorgung.
3D-gedruckte Lagerungsorthese: Leicht, luftig, nach Maß
Unsere Lagerungsorthese für die Nacht entsteht ohne Gips und ohne Scan: Aus wenigen Maßen konstruiert unsere eigene Software das Modell, der 3D-Drucker fertigt es mit Perforation für gute Luftzirkulation. Sie wiegt rund ein Drittel weniger als eine klassisch gefertigte Orthese (37 Prozent in unserer Auswertung von 63 Versorgungen, OTWorld 2024) und ist in etwa zwei Wochen fertig. Mehr zur Entwicklung
Für Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten: ORFOpedia
Du verordnest oder therapierst Kinder mit dieser Diagnose? In unserem ORFOpedia haben wir zu jeder Versorgung exakte Verordnungs- und Produkthinweise zusammengestellt: Passende Formulierungen für die Verordnung, Hilfsmittelnummern, Indikationen und Kombinationsmöglichkeiten. Den Zugang geben wir Praxen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Einrichtungen auf Anfrage frei.
Fragen
Häufige Fragen
Bis etwa zum sechsten Lebensjahr sind Knick-Senk-Füße meist physiologisch. Behandlungsbedürftig wird es bei starker Ausprägung, Schmerzen, Stolpern, schnell schief gelaufenen Schuhen oder bei Grunderkrankungen mit Hypotonie oder Spastik. Die Einschätzung trifft die Kinderorthopädie.
Gut gemachte Einlagen führen den Fuß, ohne ihn stillzulegen. Sensomotorische Einlagen regen die Muskulatur sogar gezielt an. Barfußlaufen auf wechselndem Untergrund bleibt trotzdem die beste Fußgymnastik.
Die Gipsphase dauert wenige Wochen, die anschließende Schienenbehandlung nach Ponseti in der Regel bis etwa zum vierten Lebensjahr, zuletzt nur nachts. Wir fertigen die Schienen, passen sie an und erinnern an Kontrollen.
Ja, mit ärztlichem Rezept nach § 33 SGB V. Kinder und Jugendliche sind zuzahlungsfrei; in der Regel werden zwei Paar pro Jahr übernommen.
Lass uns sprechen
Jedes Kind ist anders. In einem unverbindlichen Gespräch klären wir, welche Hilfsmittel für dein Kind jetzt sinnvoll sind, wie der Weg über Rezept und Krankenkasse aussieht und ob ein Hausbesuch passt.
Mo bis Do 08:00–16:30 Uhr · Fr 08:00–14:00 Uhr · Termine individuell bis 18:00 Uhr
Diese Seite informiert über Hilfsmittelversorgung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung. ORFO stellt keine Diagnosen und trifft keine Therapieentscheidungen. Wir setzen die ärztliche Verordnung um und stimmen jede Versorgung mit dem behandelnden Team ab.