Orthopädietechnikerin passt einem Kind ein Korsett an

Lähmungen: Orthesen und Hilfsmittel, die Funktion unterstützen

Eine Lähmung sagt noch nichts darüber, was ein Kind kann. Ein Kind mit einer schlaffen Armlähmung nach der Geburt greift mit der anderen Hand und braucht vor allem eine Orthese, die das Handgelenk funktionell hält. Ein Kind mit spastischer Beinlähmung läuft vielleicht mit Fußorthesen frei, braucht aber nachts eine Lagerung, damit sich die Wade nicht verkürzt. Unsere Aufgabe ist, aus vielen möglichen Hilfsmitteln die wenigen auszuwählen, die im Alltag wirklich etwas verändern.

  • ICD-10 G81–G83, P14.-

Krankheitsbild

Das Krankheitsbild

Ein Muskel ist gelähmt, wenn seine willkürliche Funktion ausgefallen ist, teilweise (Parese) oder vollständig (Paralyse, Plegie). Lähmungen können Arme und Beine einzeln oder in Kombination betreffen (Hemiparese: Eine Körperseite; Paraparese: Beide Beine; Tetraparese: Alle vier Gliedmaßen). Sie können angeboren oder früh erworben sein oder im Laufe des Lebens entstehen, etwa durch Geburtsverletzungen des Armnervengeflechts (Plexusparese), Unfälle, Entzündungen oder Tumoren.

Spastische Lähmung. Das zentrale Nervensystem (Gehirn oder Rückenmark) ist betroffen. Die gelähmte Muskulatur hat einen erhöhten Tonus, ist versteift und erschwert koordinierte Bewegung. Typische Folgen sind Spitzfuß, Beugekontrakturen und Fehlstellungen durch das Ungleichgewicht zwischen Muskelgruppen.

Schlaffe Lähmung. Die peripheren Nerven oder die motorischen Vorderhornzellen sind betroffen. Die Muskulatur ist dauerhaft entspannt, hat einen niedrigen Tonus und kann nur wenig oder keine Kraft entwickeln. Typische Folgen sind instabile Gelenke, Fehlstellungen durch die Schwerkraft und Muskelabbau.

Versorgungskonzept

Das Versorgungskonzept

Man unterscheidet Versorgungslösungen für obere und untere Extremitäten und nach ihrem Zweck:

Alltagsversorgung. Orthesen, die tagsüber getragen werden und Funktion ermöglichen: Fußorthesen für sicheres Gehen, Handorthesen für das Greifen, Armorthesen, die den Arm gegen die Schwerkraft halten.

Nachtversorgung. Lagerungsorthesen, die über Nacht eine günstige Gelenkstellung sichern und Kontrakturen entgegenwirken. Sie sind leicht, luftdurchlässig und werden bei uns häufig im 3D-Druck gefertigt.

Sportversorgung. Für mehr Bewegungsfreiheit und Belastbarkeit beim Sport, zum Beispiel Carbonorthesen mit Federwirkung oder Spezialorthesen fürs Klettern, Radfahren oder Reiten.

Alltagshilfen und Mobilität. Gehtrainer, Rollstühle, Therapieräder und Armunterstützungssysteme sichern Mobilität und Selbstständigkeit, wo Orthesen allein nicht ausreichen.

Wir schauen ganz genau hin. Waschen, Essen, Spielen, Schule: Für jeden Lebensbereich finden wir mit dir die passende Lösung.

Zwei Handorthesen für Kinder in Schwarz und Rot

Versorgungsverlauf

Der Versorgungsverlauf bei Lähmungen

  1. Beratungstermin und Untersuchung

    Der Versorgungsplan richtet sich nicht nur nach dem Zustand der Extremität, sondern nach den Zielen, die sich Kind, Eltern und Ärzte setzen. Dafür stimmen wir uns eng mit den behandelnden Ärzten, der Physio- und Ergotherapie und der Krankenkasse ab.

  2. Rezept und Genehmigung

    Wir unterstützen dich bei allen Formalitäten: Kostenvoranschlag, medizinische Begründung, Einreichung und Nachfragen bei der Kasse.

  3. Maßabnahme

    Orthesen werden immer individuell angepasst. Nach Terminvereinbarung nehmen wir die notwendigen Maße, in der Regel per 3D-Scan, bei Bedarf per Gipsabdruck.

  4. Anprobe

    Beim Anprobetermin kontrollieren und optimieren wir den Sitz der Orthese: Gelenkachsen, Druckverteilung, Funktion in Bewegung. Änderungen erledigen wir sofort in der Werkstatt.

  5. Einweisung und Training

    Wir zeigen dir Anlegen, Tragezeiten und Pflege. Gern begleiten wir euch zur Physio- oder Ergotherapie, damit das Training mit der Orthese abgestimmt ist.

  6. Kontrolle

    Wir überprüfen die Orthese regelmäßig, bei Kindern im Wachstum häufiger. Bei Fragen kannst du dich jederzeit bei uns melden.

Hilfsmittel

Mögliche Hilfsmittel

Für Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten: ORFOpedia

Du verordnest oder therapierst Kinder mit dieser Diagnose? In unserem ORFOpedia haben wir zu jeder Versorgung exakte Verordnungs- und Produkthinweise zusammengestellt: Passende Formulierungen für die Verordnung, Hilfsmittelnummern, Indikationen und Kombinationsmöglichkeiten. Den Zugang geben wir Praxen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Einrichtungen auf Anfrage frei.

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Fragen

Häufige Fragen

Lass uns sprechen

Jedes Kind ist anders. In einem unverbindlichen Gespräch klären wir, welche Hilfsmittel für dein Kind jetzt sinnvoll sind, wie der Weg über Rezept und Krankenkasse aussieht und ob ein Hausbesuch passt.

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Mo bis Do 08:00–16:30 Uhr · Fr 08:00–14:00 Uhr · Termine individuell bis 18:00 Uhr

Diese Seite informiert über Hilfsmittelversorgung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung. ORFO stellt keine Diagnosen und trifft keine Therapieentscheidungen. Wir setzen die ärztliche Verordnung um und stimmen jede Versorgung mit dem behandelnden Team ab.