Lähmungen: Orthesen und Hilfsmittel, die Funktion unterstützen
Eine Lähmung sagt noch nichts darüber, was ein Kind kann. Ein Kind mit einer schlaffen Armlähmung nach der Geburt greift mit der anderen Hand und braucht vor allem eine Orthese, die das Handgelenk funktionell hält. Ein Kind mit spastischer Beinlähmung läuft vielleicht mit Fußorthesen frei, braucht aber nachts eine Lagerung, damit sich die Wade nicht verkürzt. Unsere Aufgabe ist, aus vielen möglichen Hilfsmitteln die wenigen auszuwählen, die im Alltag wirklich etwas verändern.
Krankheitsbild
Das Krankheitsbild
Ein Muskel ist gelähmt, wenn seine willkürliche Funktion ausgefallen ist, teilweise (Parese) oder vollständig (Paralyse, Plegie). Lähmungen können Arme und Beine einzeln oder in Kombination betreffen (Hemiparese: Eine Körperseite; Paraparese: Beide Beine; Tetraparese: Alle vier Gliedmaßen). Sie können angeboren oder früh erworben sein oder im Laufe des Lebens entstehen, etwa durch Geburtsverletzungen des Armnervengeflechts (Plexusparese), Unfälle, Entzündungen oder Tumoren.
Spastische Lähmung. Das zentrale Nervensystem (Gehirn oder Rückenmark) ist betroffen. Die gelähmte Muskulatur hat einen erhöhten Tonus, ist versteift und erschwert koordinierte Bewegung. Typische Folgen sind Spitzfuß, Beugekontrakturen und Fehlstellungen durch das Ungleichgewicht zwischen Muskelgruppen.
Schlaffe Lähmung. Die peripheren Nerven oder die motorischen Vorderhornzellen sind betroffen. Die Muskulatur ist dauerhaft entspannt, hat einen niedrigen Tonus und kann nur wenig oder keine Kraft entwickeln. Typische Folgen sind instabile Gelenke, Fehlstellungen durch die Schwerkraft und Muskelabbau.
Versorgungskonzept
Das Versorgungskonzept
Man unterscheidet Versorgungslösungen für obere und untere Extremitäten und nach ihrem Zweck:
Alltagsversorgung. Orthesen, die tagsüber getragen werden und Funktion ermöglichen: Fußorthesen für sicheres Gehen, Handorthesen für das Greifen, Armorthesen, die den Arm gegen die Schwerkraft halten.
Nachtversorgung. Lagerungsorthesen, die über Nacht eine günstige Gelenkstellung sichern und Kontrakturen entgegenwirken. Sie sind leicht, luftdurchlässig und werden bei uns häufig im 3D-Druck gefertigt.
Sportversorgung. Für mehr Bewegungsfreiheit und Belastbarkeit beim Sport, zum Beispiel Carbonorthesen mit Federwirkung oder Spezialorthesen fürs Klettern, Radfahren oder Reiten.
Alltagshilfen und Mobilität. Gehtrainer, Rollstühle, Therapieräder und Armunterstützungssysteme sichern Mobilität und Selbstständigkeit, wo Orthesen allein nicht ausreichen.
Wir schauen ganz genau hin. Waschen, Essen, Spielen, Schule: Für jeden Lebensbereich finden wir mit dir die passende Lösung.
Versorgungsverlauf
Der Versorgungsverlauf bei Lähmungen
-
Beratungstermin und Untersuchung
Der Versorgungsplan richtet sich nicht nur nach dem Zustand der Extremität, sondern nach den Zielen, die sich Kind, Eltern und Ärzte setzen. Dafür stimmen wir uns eng mit den behandelnden Ärzten, der Physio- und Ergotherapie und der Krankenkasse ab.
-
Rezept und Genehmigung
Wir unterstützen dich bei allen Formalitäten: Kostenvoranschlag, medizinische Begründung, Einreichung und Nachfragen bei der Kasse.
-
Maßabnahme
Orthesen werden immer individuell angepasst. Nach Terminvereinbarung nehmen wir die notwendigen Maße, in der Regel per 3D-Scan, bei Bedarf per Gipsabdruck.
-
Anprobe
Beim Anprobetermin kontrollieren und optimieren wir den Sitz der Orthese: Gelenkachsen, Druckverteilung, Funktion in Bewegung. Änderungen erledigen wir sofort in der Werkstatt.
-
Einweisung und Training
Wir zeigen dir Anlegen, Tragezeiten und Pflege. Gern begleiten wir euch zur Physio- oder Ergotherapie, damit das Training mit der Orthese abgestimmt ist.
-
Kontrolle
Wir überprüfen die Orthese regelmäßig, bei Kindern im Wachstum häufiger. Bei Fragen kannst du dich jederzeit bei uns melden.
Hilfsmittel
Mögliche Hilfsmittel
-
Obere Extremität: Silikon- und Handorthesen
Mehr erfahrenSilikonorthesen führen die Hand flexibel in die gewünschte Position (dynamische Redression). Der Unterstützungsgrad lässt sich über Materialfestigkeit und Länge anpassen, Ausführung und Farbe werden mit dem Kind abgestimmt. Spiralorthesen und 3D-gedruckte Handorthesen sichern das Handgelenk in funktioneller Stellung.
-
Obere Extremität: Armunterstützung und bewegte Orthesen
Mehr erfahrenSchwerkraftreduzierende Armorthesensysteme (zum Beispiel AGITO) unterstützen Kinder mit Schwäche gegen die Schwerkraft beim Essen, Schreiben und Spielen.
-
Untere Extremität: Fuß- und Unterschenkelorthesen
Mehr erfahrenDAFO (dynamische Fußorthese in Schalenform mit umgreifender Mittelfußführung), DFO, MT1S zur Aufrichtung der Beinlängsachse, Carbon-Spiralorthesen mit Federwirkung für mehr Bewegungsfreiheit.
-
Untere Extremität: Knie, Hüfte und Elektrostimulation
Mehr erfahrenLagerungs- und Redressionsorthesen für Knie und Hüfte (KAFO, HKAFO), um Kontrakturen entgegenzuwirken, mikroprozessorgesteuerte Orthesensysteme (zum Beispiel C-Brace) bei Teillähmungen, funktionelle Elektrostimulation des Wadenbeinnervs, die das Gangbild verbessern kann; die Indikation stellt die Ärztin oder der Arzt.
-
Mobilität und Alltag
Mehr erfahrenManuelle und elektrische Rollstühle, Therapiefahrräder, Sitzschalenuntergestelle, Gehtrainer.
Für Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten: ORFOpedia
Du verordnest oder therapierst Kinder mit dieser Diagnose? In unserem ORFOpedia haben wir zu jeder Versorgung exakte Verordnungs- und Produkthinweise zusammengestellt: Passende Formulierungen für die Verordnung, Hilfsmittelnummern, Indikationen und Kombinationsmöglichkeiten. Den Zugang geben wir Praxen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Einrichtungen auf Anfrage frei.
Fragen
Häufige Fragen
Das legt das Behandlungsteam fest. Alltagsorthesen werden meist in allen Steh- und Gehphasen getragen, Nachtorthesen während des Schlafs, Lagerungsorthesen nach Plan. Wir halten die Empfehlung in der Einweisung fest und passen sie mit der Therapie an.
Ein kleines Gerät am Unterschenkel stimuliert den Wadenbeinnerv in der Schwungphase und hebt so den Fuß an. Bei zentralen Lähmungen mit Fußheberschwäche kann FES Gangbild und Sicherheit verbessern und eine Orthese ergänzen oder ersetzen.
Druckstellen, Rötungen, die nach 20 Minuten nicht verschwinden, neue Fehlstellungen oder ein Kind, das die Orthese plötzlich ablehnt, sind Hinweise. Kommt dann zeitnah zu uns. Passformprobleme beheben wir innerhalb der ersten sechs Monate kostenfrei.
Die gesetzliche Krankenkasse nach § 33 SGB V. Kinder und Jugendliche sind zuzahlungsfrei. Bei Ablehnung unterstützen wir dich mit der fachlichen Begründung im Widerspruch.
Lass uns sprechen
Jedes Kind ist anders. In einem unverbindlichen Gespräch klären wir, welche Hilfsmittel für dein Kind jetzt sinnvoll sind, wie der Weg über Rezept und Krankenkasse aussieht und ob ein Hausbesuch passt.
Mo bis Do 08:00–16:30 Uhr · Fr 08:00–14:00 Uhr · Termine individuell bis 18:00 Uhr
Diese Seite informiert über Hilfsmittelversorgung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung. ORFO stellt keine Diagnosen und trifft keine Therapieentscheidungen. Wir setzen die ärztliche Verordnung um und stimmen jede Versorgung mit dem behandelnden Team ab.