Schädeldeformität (Plagiocephalie): Die Kopforthese aus dem 3D-Drucker
Jedes Baby hat eine individuelle Kopfform. Damit sich der Schädel dem wachsenden Gehirn anpassen kann, ist er in den ersten Lebensmonaten noch sehr weich. Dadurch kann es zu einer Verformung kommen, zum Beispiel wenn das Baby den Kopf überwiegend auf einer Seite ablegt. Viele dieser Verformungen bilden sich mit Lagerungswechsel und Physiotherapie zurück. Bleibt eine deutliche Asymmetrie bestehen, kann eine Kopforthese helfen. Wir fertigen sie in Erlangen nach 3D-Scan im 3D-Druck.
Ursachen
Seit den 1990er Jahren wird Eltern geraten, ihr Kind zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods vorwiegend auf dem Rücken zu lagern. Diese Empfehlung hat Leben gerettet. Seitdem hat aber auch die Häufigkeit lagebedingter Schädelverformungen stark zugenommen. Weitere Ursachen können Platzmangel in der Gebärmutter sein, etwa bei Mehrlingen, Komplikationen während der Geburt wie eine Zangengeburt, eine Frühgeburt, ein Schiefhals (Torticollis), der die Kopfdrehung einschränkt, oder eine Zwangshaltung durch eine angeborene Hüftfehlstellung. Selten liegt ein vorzeitiger Verschluss der Schädelnähte (Kraniosynostose) vor. Diese Diagnose muss ärztlich ausgeschlossen werden, weil sie anders behandelt wird.
Praxistipps
Praxistipps zur Vorbeugung
- Babys wenden den Kopf auch im Schlaf zu der Seite, die ihnen attraktiver erscheint. Lichteinfall, die schlafenden Eltern oder ein Mobile beeinflussen die Kopfwendung. Ändere die Schlafposition regelmäßig, zum Beispiel indem du das Baby mal mit dem Kopf am einen, mal am anderen Bettende ablegst.
- Zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods soll möglichst wenig Lagerungsmaterial im Bett liegen. Leg stattdessen wechselseitig ein gefaltetes Handtuch unter die Matratze, um die bevorzugte Kopfseite sanft zu beeinflussen.
- Bauchlage (Tummy Time): Nachts soll dein Baby weiterhin auf dem Rücken schlafen. Tagsüber und unter Aufsicht sollte es regelmäßig Zeit in Bauchlage verbringen. Das entlastet den Hinterkopf und stärkt die Nacken- und Rückenmuskulatur.
- Wechsle beim Tragen, Füttern und Stillen die Seite. Begleitende Physiotherapie klärt individuelle Fragen, zum Beispiel bei einseitigen Fütterpositionen oder einem Schiefhals.
Forschung
Was die Forschung sagt
Ob eine Kopforthese bei lagebedingter Asymmetrie mehr erreicht als konsequente Lagerung und Zeit, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Eine randomisierte Studie fand bei mittelschweren Formen keinen Unterschied zum natürlichen Verlauf; andere Untersuchungen sehen Vorteile bei ausgeprägten Asymmetrien und frühem Beginn. Ob eine Orthese sinnvoll ist, entscheidest du gemeinsam mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt.
Zeitpunkt
Der richtige Zeitpunkt für die Behandlung
Der Kopf eines Babys ist nur in den ersten Lebensmonaten gut formbar, weil dann das Kopfwachstum am stärksten ist. Eine Helmtherapie sollte deshalb in der Regel zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat beginnen, spätestens mit zwölf Monaten. Ob eine Helmtherapie sinnvoll und notwendig ist, besprichst du mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt. Dort bekommst du auch die Verordnung. Leichte Asymmetrien brauchen in der Regel keinen Helm, sondern konsequente Lagerung und Physiotherapie.
Versorgungsverlauf
Der Versorgungsverlauf bei der Kopforthese
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Beratung und Vermessung
Wir vermessen und fotografieren den Kopf deines Babys, um den Behandlungsverlauf genau zu dokumentieren. Zusätzlich erfassen wir den Kopf per 3D-Kamera-Scan, berührungslos und in wenigen Sekunden.
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Rezept und Kostenklärung
Das Rezept stellt die Kinderärztin oder der Kinderorthopäde aus. Da die Helmtherapie keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen ist, klären wir die Kosten vorab mit dir (siehe Kosten).
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Konstruktion und 3D-Druck
Auf Basis des Scans modellieren wir die Kopforthese am Computer und fertigen sie im 3D-Druck direkt in Erlangen. Die Orthese lässt dort Raum, wo der Kopf wachsen soll, und führt sanft, wo er abgeflacht ist.
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Anprobe und Eingewöhnung
Beim Anprobetermin kontrollieren wir Sitz und Druckverteilung. Innerhalb weniger Tage gewöhnst du dein Kind schrittweise an das Tragen.
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Kontrollen und Anpassung
Im Laufe der Therapie wächst dein Baby, und die Kopfform verändert sich deutlich. Deshalb passen wir die Orthese während der gesamten Therapie mehrmals an, in der Regel alle zwei bis drei Wochen.
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Abschluss
Am Ende dokumentieren wir das Ergebnis mit einem erneuten Scan.
Tragezeit
Wie lange muss mein Kind die Orthese tragen?
Empfohlen werden 23 Stunden Tragezeit pro Tag. Der Helm wird also nur zur Körperpflege abgenommen. Wie lange der Helm insgesamt getragen werden muss, hängt vor allem von der Schwere der Deformität und vom Alter bei Behandlungsbeginn ab. Die Behandlungsdauer liegt zwischen acht Wochen und acht Monaten; im Durchschnitt tragen Kinder den Helm etwa vier bis fünf Monate.
Kosten
Wer trägt die Kosten?
Die Kopforthese ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung; das Bundessozialgericht hat das 2017 bestätigt. Manche Krankenkassen beteiligen sich freiwillig an den Kosten; frag vorher schriftlich nach. Private Krankenversicherungen erstatten je nach Tarif. Die Kosten liegen in der Regel zwischen 1.500 und 2.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer; enthalten sind Beratung, Scans, die Herstellung der individuellen Kopforthese und alle Kontrolltermine. Wir erstellen dir vorab einen Kostenvoranschlag. Im Einzelfall und nach Rücksprache bieten wir dafür eine 0-Prozent-Finanzierung an.
Für Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten: ORFOpedia
Du verordnest oder therapierst Kinder mit dieser Diagnose? In unserem ORFOpedia haben wir zu jeder Versorgung exakte Verordnungs- und Produkthinweise zusammengestellt: Passende Formulierungen für die Verordnung, Hilfsmittelnummern, Indikationen und Kombinationsmöglichkeiten. Den Zugang geben wir Praxen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Einrichtungen auf Anfrage frei.
Fragen
Häufige Fragen
Nein. Die Kopforthese übt keinen Druck aus, sondern lässt dem Kopf Raum, in die gewünschte Richtung zu wachsen. Die meisten Babys gewöhnen sich innerhalb weniger Tage daran und schlafen normal.
Bei der Plagiocephalie ist der Hinterkopf einseitig abgeflacht, oft mit Verschiebung von Ohr und Stirn. Bei der Brachycephalie ist der gesamte Hinterkopf abgeflacht und der Kopf wirkt breit und kurz. Beide Formen können mit einer Kopforthese behandelt werden.
Bei leichten und mittleren Formen gelingt das häufig: Konsequenter Lagerungswechsel, Bauchlage unter Aufsicht und Physiotherapie, besonders bei Schiefhals, reichen dann oft aus. Je älter das Kind, desto geringer wird die Wirkung dieser Maßnahmen.
Lass die Kopfform bei den Vorsorgeuntersuchungen beurteilen. Deutliche Asymmetrien von Stirn, Ohren oder Gesicht, eine ausgeprägte Abflachung nach dem vierten Monat oder ein Schiefhals sind Gründe für eine Vorstellung beim Kinderorthopäden.
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Jedes Kind ist anders. In einem unverbindlichen Gespräch klären wir, welche Hilfsmittel für dein Kind jetzt sinnvoll sind, wie der Weg über Rezept und Krankenkasse aussieht und ob ein Hausbesuch passt.
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